YONDER JOURNAL: PIUTE PASS

Markant, großartig und unglaublich malerisch erstreckt sich die Sierra Nevada 650 Kilometer von Nord nach Süd über die Ostküste Kaliforniens. Und es gab da einen Traum von einem Weg, der durch die Berge führt, ein Weg, der Fresno und die Küste von Bishop verbindet, nach Nevada weiterführt, den mittleren Westen und dahinter. Man nannte diesen Traum 168.

Schon seit frühester Kindheit waren wir fasziniert vom Reiz eines Bike-Abenteuers. In der Jugend hieß dies, die entferntesten Randgebiete unserer Viertels zu durchstreifen. Wir lebten also in einer kleinen Welt, aber je älter wir wurden, desto weiter reichte auch unser Abenteuer-Horizont. Was einst klein und nicht zu verstehen schien, wurde zunehmend unbegreiflich und unerreichbar. Unser Bike verkörperte jedoch für uns stets die Möglichkeit, auszubrechen und physische oder mentale Grenzen zu überwinden. Unsere Freunde des Yonder Journals teilen diese Mentalität. Sie verstehen, welche Bedeutung das Abenteuer für uns hat; deshalb sind sie für uns losgezogen, um dem Ruf des Abenteuers zu folgen, wohin auch immer er sie führen würde. Dank dieser Reise haben wir uns auf die Quintessenz des Radfahrens besonnen, auf die Abenteuerlust, die wir mit unserem Bike verbinden. Unter seekandenjoy.com kannst du mit uns auf Abenteuersuche gehen.

KALIFORNIEN

DER TRAUM DES HIGHWAY 168

Markant, großartig und unglaublich malerisch erstreckt sich die Sierra Nevada 650 Kilometer von Nord nach Süd über die Ostküste Kaliforniens. Die Bildung des Gebirgszugs begann in der Trias: Ein Inselbogen kollidierte mit der westamerikanischen Küste und setzte eine Gebirgsbildung in Gang. Dabei enstanden die metamorphen Gesteine, die heute einen großen Bestandteil der Sierra Nevada bilden. Manchmal, wenn die Sonne blutrot am Himmel untergeht, könnte man meinen, das Granit hätte sie aufgeschlitzt. Trotz des Outdoor-Enthusiasmus der Kalifornier und der Schönheit der Gegend ist die Sierra Nevada erstaunlich unberührt. Der Grund ist wohl, dass sie sehr schwer zu erreichen ist: Oft zwingen einen Sackgassen zur Umkehr. Und dann gab es da einen Traum von einem Weg, der durch die Berge führt, ein Weg, der Fresno und die Küste von Bishop verbindet, nach Nevada weiterführt, den mittleren Westen und dahinter. Man nannte diesen Traum 168.

Beinahe wurde der Traum wahr: Der östliche Teil des Highways verläuft über Oasis an der Grenze von Kalifornien und Nevada entlang über die White Mountains über den Westgard Pass, durch Bishop hoch zum North Lake. Eine Teilstrecke im Westen reicht von Florence Lake bis Fresno. Dazwischen jedoch klafft eine beachtliche Lücke im Highway 168, die nie geschlossen wurde. Weil Gegend und Klima den Baumeistern zu extrem war, warf einer nach dem anderen das Handtuch – die Straße wurde nie fertiggebaut. Über 40 Kilometer trennen das östliche und westliche Ende der Straße. Und dazwischen? Hohe Berge, raue Schönheit, wenig Tourismus. Wanderschuhe und Packtiere formten Tritte, Trampelpfade bildeten sich, ohne großen Eingriff in die Natur zu nehmen. Die wilde Schönheit ist geblieben!

Von unseren früheren Erfahrungen mit dem Yonder Journal wussten wir, dass das Wandern einen großen Teil des Radwanderns ausmacht – und das würde uns auch dieses Mal blühen, wenn wir die gesamte Lücke des Highway 168 schließen wollten. Der große Unterschied zwischen Radfahren und „Radtragen“ liegt in der Gewichtsverteilung. Sitzt du auf dem Bike, verteilt sich dein Gewicht – das ist easy, trägst du das Bike, ist das nicht der Fall. Wir machen es trotzdem.

Bei der Expedition haben wir uns für das AWOL entschieden – wegen seiner Vielseitigkeit. Auf der Straße ist es schnell, auf Anstiegen fühlt es sich wohl, wenn es ungemütlich, rau und ruppig wird, läuft es zur Hochform auf. Perfekt, denn unsere Route bot alles. Doch die Radpassagen waren, wenn auch fordernd, nicht die größte Herausforderung. Radfahren ist unser Steckenpferd, das können wir. Als Problem sehen wir vielmehr das Befestigen und Tragen des Bikes auf dem Rucksack, auch wenn man sagen muss, dass unsere Technik ziemlich ausgefeilt ist. Leider hat es am Ende nicht ganz funktioniert: Nur einer von uns hat es geschafft, alle Hindernisse zu überwinden und ist alleine weitergezogen – im Schneegestöber über einen 3352 Meter hohen Pass. Das Experiment zeigte uns, was möglich ist und was nicht, die Expedition war begleitet von Niederlage und Triumph. Philosophisch könnte man sagen: „Der größte Erfolg ist ein besseres Verständnis seiner Selbst“, aber wenn ich hier sitze und das schreibe, fällt es mir schwer, mich zu überzeugen, dass das stimmt.