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YONDER JOURNAL: BRODRICK PASS

Dank robuster Schuhe, eisenharter Bikes und eines Helikoptereinsatzes haben sechs Yonder Jornal Fahrer die Südinsel Neuseelands durchquert.

Schon seit frühester Kindheit waren wir fasziniert vom Reiz eines Bike-Abenteuers. In der Jugend hieß dies, die entferntesten Randgebiete unserer Viertels zu durchstreifen. Wir lebten also in einer kleinen Welt, aber je älter wir wurden, desto weiter reichte auch unser Abenteuer-Horizont. Was einst klein und nicht zu verstehen schien, wurde zunehmend unbegreiflich und unerreichbar. Unser Bike verkörperte jedoch für uns stets die Möglichkeit, auszubrechen und physische oder mentale Grenzen zu überwinden. Unsere Freunde des Yonder Journals teilen diese Mentalität. Sie verstehen, welche Bedeutung das Abenteuer für uns hat; deshalb sind sie für uns losgezogen, um dem Ruf des Abenteuers zu folgen, wohin auch immer er sie führen würde. Dank dieser Reise haben wir uns auf die Quintessenz des Radfahrens besonnen, auf die Abenteuerlust, die wir mit unserem Bike verbinden. Unter seekandenjoy.com kannst du mit uns auf Abenteuersuche gehen.

NEUSEELAND

ABENTEUER OHNE GRENZEN

Ist es ein Geheimnis, dass für viele Männer ihr Bike die Fortbewegungsart darstellt, die ihnen am meisten Freude bereitet? Selbständig, unabhängig, leicht und hochfunktionell – außer diesen Attributen verkörpert ein Fahrrad außerdem Geschwindigkeit und Fernweh. Heruntergebrochen ist das Entscheidende an einem Bike – so der landläufige Konsens – dessen Funktionalität auf Straßen, Trails, Radbahnen und anderen Wegen. Doch wir vom Yonder Journal sind hartnäckig und wollen die Allgemeinheit eines Besseren belehren. Und im vergangenen Jahr machten wir uns dank der großartigen Unterstützung von Specialized auf, die Möglichkeiten unserer Bikes auszutesten und sie an ihre Grenzen zu bringen. Wir fuhren, trugen, gingen, schoben, bergauf wie bergab und überquerten den Globus stets mit dem Bestreben, die wahrhafte Funktionalität eines Fahrrads mit all seinen Bestandteilen neu zu definieren. Wir hatten uns dabei hohe Ziele gesteckt, die wir natürlich auch allesamt zu erreichen hofften. Dennoch hatten wir keine Angst davor, zu scheitern, denn damit waren schließlich auch immer ein Lernprozess und bereichernde Erfahrungen verbunden. Jedes unserer Ziele bedeutete eine ganz eigene und besondere Herausforderung, der wir uns und unsere Bikes stellten. Und jeden dieser Trips haben wir in Fotos und Tagebüchern dokumentiert, um der Nachwelt einen Eindruck zu vermitteln, was es für uns heißt, ein Abenteuer auf zwei Rädern mit allen Facetten zu erleben.

Unsere erste Reise führte uns also nach Neuseeland, wo wir mit unseren AWOLs zur Sommerzeit die Südinsel von Ost nach West auf Tracks durchquerten, die von Bikes bislang kaum befahren worden waren. Aber wie sollten wir uns dort zurechtfinden? Der Freund eines Freundes eines Bekannten stellte sich jedoch glücklicherweise als perfekter Guide heraus: Paul war also von nun an mit von der Partie. Wir schärften ihm ein, dass wir Berge erklimmen, aber keinesfalls auf den etablierten Routen fahren wollten; wir wollten Pioniere auf einer noch nie zuvor befahrenen Strecke sein. Nach einigen Wochen der Routenplanung sollte es nun losgehen: Von Dunedin starteten wir in Richtung Westen zur anderen Seite der Insel. Wir würden auf unserem Weg eine Menge unterschiedlichster Hindernisse zu meistern haben, aber eine besondere Herausforderung würde die Überquerung des Broderick Passes darstellen, eine noch recht unbekannte Passage in den Südalpen. Auf der Landkarte war die Distanz noch mit dem Abstand von zwei Fingern einer Hand zu erfassen und schien uns damit machbar. Die Höhenmeter sollten ebenfalls nicht zum Problem werden, also packten wir guten Mutes und voller Vorfreude unsere Sachen und buchten die Tickets, um einmal um die halbe Erdkugel zu fliegen und an einem Ort Biken zu gehen, von dem wohl die Wenigsten bislang gehört haben dürften. Wir starteten unseren Trip zu sechst, eine ganze Band also: Paul (der Guide), Patrick (der Coach), Benedict (der Muskel), Erik (der Dunkle), Daniel (das Auge) und meine Wenigkeit (der Unterstützer). Über einen Zeitraum von sechs Tagen würden wir auf geteerten Straßen, Schotterwegen, Double- und Singletrails, Viehpfaden, gar nicht vorhandenen Wegen, Sand, felsigem Untergrund, durch Flüsse und schließlich über Berge fahren. Wir würden mit stürmischen Windböen, eisigen Regenschauern, überraschendem Neuschnee, brütender Hitze, endlos vielen Platten und Pannen, über die Ufer getretenen Flüsse und Gletscherwasser zurechtkommen müssen, aber dabei die wundervollsten Landschaften und Naturschauspiele beobachten können, die wie jemals gesehen haben. Am Morgen des fünften Tages erwachten wir noch vor Sonnenaufgang in Mitten einer trüben Nieselregen-Front, die sich bald einen endzeitlich anmutenden Dschungel-Starkregen verwandelte. Wir hatten an diesem Tag 60 Kilometer bei heftigen Regenfällen abgespult und hatten noch 6 Kilometer vor uns, ehe wir die Hütte an der Ostseite des Broderick Passes erreichen würden. Wir dachten zunächst nicht, dass das zum Problem werden würde. Aber als wir im rasch anschwellenden Flussbett aufstiegen, der sich in das nahegelegen Tal verzweigte, das wiederum anschließend unser Trail sein sollte, geriet unser Tross notgedrungen mehrfach ins Stocken: Wir mussten hüft- und sogar brusthohe Fluten durchqueren und verloren dabei nicht selten den Halt auf den glitschigen Felsen und dem gerölligen Untergrund. Sechs Stunden und 5,5 Kilometer später, als Erik in einem reißenden Nebenarm des Flusses beinahe zu ertrinken drohte, beschlossen wir schließlich einen halben Kilometer vor der Broderick Hütte, ein Not-Biwak auf der Talseite aufzuschlagen. Wir kämpfen gegen erste Anzeichen der Unterkühlung während wir unser bescheidenes Lager aufschlugen und warteten bis der Sturm vorüber war. Vier Stunden später war er tatsächlich überstanden. Unser Gepäck versteckten und tarnten wir im Gelände, während Paul mit seinem Satellitentelefon einen Notruf abzusetzen versuchte. Am Ende erreichten wir gerade noch die Hütte. Zuvor hatten wir Kontakt zu unserem Raftguide aufnehmen müssen, bevor wir den Pass überqueren konnten. Anderenfalls hätten wir wohl an einem Punkt festgesessen, der uns nur noch die Option bot, drei Tage lang zu dem Punkt zurückzukehren, wo wir Hilfe erwarten konnten. Doch wir konnten unseren Guide nicht erreichen. Und so endete unser Trip an dieser Stelle — fast, denn wir verbrachten noch zwei Tage in der Wildnis. Unsere Essensvorräte waren zu diesem Zeitpunkt bereits aufgebraucht, bevor wir den Rettungshubschrauber rufen konnten. Als wir herausgeflogen wurden, konnten wir selbst aus der Höhe weder Trails noch irgendeine Menschenseele erkennen. Wir hatten nicht nur alle Mann und Bikes an Board, sondern auch unvergessliche Erinnerungen im Gepäck.

Gesamtdistanz: 300 km Gesamthöhenmeter: 3.613 m Längste Etappe: 92,5 km Kürzeste Etappe: 4,5 km Höchste Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,3 km/h Niedrigste Durchschnittsgeschwindigkeit: 1,44 km/h