ONDER JOURNAL: IRON PASS

Wasserflugzeuge, Grizzlybären und Fatbikes - unsere Fahrer des Yonder Journals haben sich auf den Weg gemacht und die Chilcotins in British Columbia erkundet - ein für Mounainbiker beinahe heiliges Terrain.

Schon seit frühester Kindheit waren wir fasziniert vom Reiz eines Bike-Abenteuers. In der Jugend hieß dies, die entferntesten Randgebiete unserer Viertels zu durchstreifen. Wir lebten also in einer kleinen Welt, aber je älter wir wurden, desto weiter reichte auch unser Abenteuer-Horizont. Was einst klein und nicht zu verstehen schien, wurde zunehmend unbegreiflich und unerreichbar. Unser Bike verkörperte jedoch für uns stets die Möglichkeit, auszubrechen und physische oder mentale Grenzen zu überwinden. Unsere Freunde des Yonder Journals teilen diese Mentalität. Sie verstehen, welche Bedeutung das Abenteuer für uns hat; deshalb sind sie für uns losgezogen, um dem Ruf des Abenteuers zu folgen, wohin auch immer er sie führen würde. Dank dieser Reise haben wir uns auf die Quintessenz des Radfahrens besonnen, auf die Abenteuerlust, die wir mit unserem Bike verbinden. Machen wir uns also mit ihnen auf den Weg���

BRITISH COLUMBIA

KOPPELNAVIGATION

Die Chilcotins bilden eine spektakuläre Bergkette im Norden British Columbias. Dieses prachtvolle Fleckchen Erde bietet eine lange Liste von Naturphänomenen, die sich lesen wie der Wunschzettel des 18-jährigen Jack London; große, schier endlos ausladende Gletscher, mineralhaltige, türkisfarbene Seen, gewaltige Wasserfälle, tief gelegene Täler, rötlich gefärbte, ausgesetzte Auen und scharfkantige Felsen, die sich bis zum Himmel zu erstrecken scheinen. Nicht nur derart beeindruckende Naturwunder kann man hier bestaunen, sondern auch die Fauna ist äußerst artenreich und scheint noch aus der Eiszeit zu stammen: Grizzlybären, Elche, Wölfe und Weißkopfseeadler sind nicht selten in den Gefilden der Chilcotins anzutreffen. Wir waren natürlich nicht die ersten neugierigen Abenteurer, die diese prachtvolle Region entdeckt haben. Die ersten Bewohner kamen über die Beringstraße, besiedelten das Gebiet und trieben regen Handel in der gesamten Region. Das verzweigte Wegenetz, das diese Ureinwohner damals nutzten, prägt heute noch das Landschaftsbild. Natürlich waren diese Trails ursprünglich nicht für das Biken vorgesehen. Sie haben eher die Beschaffenheit von „lass uns den schnellsten Weg über die Berge nehmen“ und nicht selten geht es steil bergauf und noch steiler wieder bergab. Aber insbesondere die Schönheit der Landschaft, die ursprüngliche Fauna und die steilen Passagen, die einem alles abverlangen, machen diese Gegend zu etwas ganz Besonderem. Wir sollten noch erwähnen, dass British Columbia geweihtes MTB-Terrain ist, und die Chilcotins sind besonders heilig. Daher sind große Travelbikes unerlässlich, um die Trails in den Küstenregionen von British Columbia und im Hinterland zu bewältigen. Da man sich hier für gewöhnlich von einem Helikopter absetzen lässt, sich mit Hilfe von Maultieren vorwärts bewegt oder von Hütte zu Hütte zieht, wollten wir mit dieser Tradition nicht brechen und verzichteten auf moderne Annehmlichkeiten. So zogen wir für vier Tage und Nächte nur mit dem Nötigsten ausgestattet ins Kanadische Hinterland.

Eins wissen wir bereits über Outdoor-Abenteuer wie diese: Je schwieriger ein Ziel zu erreichen ist, umso weiter entfernst du dich von der Zivilisation und umso ursprünglicher sind die Erfahrungen und Erlebnisse; und genau das war es, wonach wir suchten. Ausreißen. Freiheit. Die Chance abzutauchen, wenn auch nur für einen Moment. Um genau das in den Chilcotins zu erleben, wollten wir uns ein Wasserflugzeug chartern, das uns in die tiefste Wildnis bringen sollte. So wurden wir mit unserem Gepäck am Taseko Lake abgesetzt, um uns von dort aus auf eigene Faust auf den Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt, der Tyax Lodge (Headquarter der Fluggesellschaft) zu machen. Da wir unsere Route nicht 100%ig genau kannten und für das Überwinden jeglichen Hindernisses gerüstet sein wollten, entschieden wir uns für Fatboys als Reisebegleiter, quasi dem Fahrradpendant zu Kamelen, Mulies, Monstertrucks oder Rettungsinseln. Laut Google Earth und unserer vagen Ortskenntnis sollte unsere geplante Route möglich, aber nicht ohne unvorhersehbare Hindernisse zu bewältigen sein. Folgende Liste mit Eventualitäten sollte uns für unseren vier- bis fünftägigen Trip über den Iron Pass wappnen: Es wird schneien. Das prophezeien uns zumindest alle Erfahrungsberichte bisheriger Abenteurer. Wir werden auf Bären treffen. In diesem Gebiet gibt es Grizzly Bären und Grizzly Bären sind Raubtiere. Aber keine Angst, wir sind mit Pfefferspray und einer Bärenkeule bestens bewaffnet. Wir werden ein Wasserflugzeug nehmen, das ist cool, oder? Aber vor allem erinnert es uns an die Eröffnungsszene aus dem Film Predator. (siehe British Columbia, Chilcotins #2). Kalt/nass/erschöpft – das ist wohl das furchteinflößende Triumvirat an Attribute, die man mit einem Outdoorabenteuer verbindet. Aber keine Sorge, wir werden diesen Widersachern tapfer trotzen und den einen gegen den anderen ausspielen. Da die traditionell regenreiche Herbstzeit bereits begonnen hatte, mussten wir uns wohl auf Regen oder sogar Schnee, Kälte und damit einhergehende Unannehmlichkeiten einstellen. Aber das war ja nichts Neues. Wir nannten unsere Route Dead Reckoning (=Koppelnavigation) Iron Pass und wir hofften, nicht zu Bärenfutter zu werden. Aber wurden wir von Bären verspeist? Haben wir den Flug mit dem 60 Jahre alten Wasserflugzeug überlebt? Haben wir jeglichen Witterungsbedingungen standgehalten? Die Antworten sowie die ganze Geschichte kannst du im Yonder Journal lesen.