SCHWITZE MIT STIL

Ultramarathonläuferin, Bikecoach und Fitnesstrainerin Robin Arzon sagt, dass jeder über sich hinauswachsen und zum Superhelden werden kann. Und sie sagt, dass sich Stil und Fitness niemals ausschließen dürfen. Hören wir ihr zu!

In der Highschool war Robin mehr Bücherwurm als Bootcamp Queen. Zeichnen, Basteln und Schreiben zog sie in dieser Zeit dem Schwitzen vor. Sport und Fitness passten irgendwie nicht zu ihr. Zwar bewunderte sie die Läufer, die Ballsportler, die Gymnastikathleten, und wünschte sich manches Mal, sie könne so sein wie diese. Aber sie sie konnte sich einfach nicht vorstellen, unter ihnen zu sein, dazuzugehören. Die „Das-bin-nicht-ich, das-kann-ich-nicht“ Einstellung hielt sie zurück. Rückblickend sagt Robin über sich selbst:

ES IST UNBEQUEM, SICH ZU ÄNDERN, AUCH WENN ES DIE CHANCE IST, ETWAS POSITIVES ZU SCHAFFEN.

Robin Arzon

Und Robin tut, was sie predigt. 2013 lief sie fünf Marathons in fünf Tagen. Sie ist Ultramarathonläuferin, Bikecoach, Personal Trainerin und Laufcoach – und ab diesem Jahr zudem Triathletin. Eine erstaunliche Geschichte, die mit wenig Selbstvertrauen begann und sich zu etwas entwickelte, das man fast eine Mission nennen könnte: Robin ermutigt andere, sich zu ändern.

Robin stammt aus Philadelphia, wohnt jetzt in New York, vielleicht resultiert daraus ihr heißblütiges und gleichzeitig entspanntes Gemüt. Wir trafen sie in Los Angeles und Robin selbst strahlt ebenso wie die Kleidung, die sie an diesem regnerischen Tag trug.

Kritik zu ihrer lauten, schillernden Persönlichkeit lacht Robin weg: „Ich sage den negativen Menschen, sie sollen etwas positiver denken.

Du kannst nicht durchs Leben kommen, indem du dich nur anpasst, damit du akzeptiert wirst. Du musst dein eigenes Ding machen – sei interessant. Das ist der Punkt.“

Von der Anwältin zum frechen, schrillen Fitness Guru, ist wie ein Sprung von einer Welt in eine gänzlich andere. Wie kam die Entscheidung, das eine für das andere aufzugeben?

Ich war Prozessanwältin, war sehr unverblümt und bekam immer gute Fälle. Ich war gut in meinem Job! Aber irgendwann begann ich, die Minuten zu zählen, bis ich rausgehen und trainieren konnte. Ich merkte, dass ich Laufen und Radfahren liebe, mehr als die Herausforderung in einem Fall.

Gefordert bist du in dem einen Fall er eher mental, im anderen eher physisch, kann man das so sagen?

Nicht ganz, ich glaube, dass jedes sportliche Vorhaben in erster Linie eine mentale Herausforderung ist. Wir reden uns gut zu, allein das beeinflusst unsere Leistung. Ich habe wirklich niemals gedacht, dass ich eine Läuferin sein könnte. Das waren immer die „anderen Leute“. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eine Wahl hatte. Ich kann selbst entscheiden, was mein Ding ist.

Und dann hast du einfach zu einem 10 Kilometer Lauf entschlossen – ohne Vorbereitung, ohne Training?

Ja, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass das nicht der klügste Weg war. Ich konnte nur nicht mehr anders. Ich hatte mich innerlich überzeugt, das zu tun.

Dieses Jahr kommt also der Triathlon. Gehst du den auf die gleiche Weise an oder bereitest du dich anders vor? Und glaubst du, dass dir deine Erfahung als Spinning Coach hilft?

Ja, ganz sicher gehe ich dieses Mal anders an die Sache heran. Ich arbeite mit einem Trainer zusammen, um mich auf den Triathlon vorzubereiten. Rad- und Lauftraining klappen gut, aber ich habe Probleme mit dem Schwimmen. Mit dem Atmen. Ich habe eine echt gute Lungenkapazität, kann tagelang laufen ohne anzuhalten. Doch immer wenn ich ins Wasser gehe, ist es ungewohnt und ich bin etwas ängstlich. Das ist echt deprimierend. Aber auch cool!

IRGENDWANN HABE ICH GEMERKT, DASS ICH DIE WAHL HABE. DASS ICH SELBST ENTSCHEIDEN KONNTE, WAS MEIN DING IST.

Du bist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Wegen, dich selbst zu pushen. Du willst es einfach unbequem, den ungemütlichen Weg? Kann man das so sagen?

Definitiv. Ich glaube-… Viele Menschen werden selbstzufrieden und suchen nicht mehr die Herausforderung. Man könnte fast von einer kulturellen Krankheit sprechen, die wir einfach so hinnehmen. Wir geben uns damit zufrieden, dass etwas ok ist und versuchen gar nicht erst, es zu mehr als „nur ok“ zu machen. Es ist so unbequem, sich zu ändern, auch wenn die Veränderung positiv ist. Ich möchte die Schmerzen nicht romantisieren und das Leiden nicht verherrlichen. Ich sage nur, dass wir uns ein bisschen mehr anstrengen könnten, uns aus unserer Komfortzone bewegen sollten.

Was inspiriert und beeinflusst dich?

Meine Familie. Ich komme aus einer charakterstarken Familie, vor allem wir Frauen sind sehr rebellisch. Meine Mama ist eine große Inspiration. Und meine kleine Schwester: Sie arbeitet in Indien für eine NGO. Wir sind alle unterscheidlich und sie ist so viel klüger als ich.

Du bist sehr offen, trainierst viel, und hast einen Job in der Öffentlichkeit. Das macht den Terminplan schon ziemlich voll. Man muss viel Energie reinstecken. Wie schaffst du es, die Balance zu halten?

Um ehrlich zu sein, kann man grad nicht von einem guten Gleichgewicht sprechen. Neben dem Trainieren, Coachen und Lehren schreibe ich an meinem ersten Buch und habe ein paar Ideen für eine Bekleidungslinie. „Swat with Swagger – Schwitze mit Stil“, eine Kollektion, die Fitness und Fashion verbindet. Außerdem bin ich Herausgeber von UNDO ORDINARY, ein Online Magazin — ein Projekt aus Leidenschaft. Ich liebe es, über meine Leidenschaft zu schreiben. Da kommt meine kreative Seite zur Geltung und auch wenn ich Energie hineinstecke, so kommt sie auf diesem Weg auch zurück zu mir.

Machst du Mediation oder Yoga, um deine Reserven aufzuladen?

Klar! Vor ein paar Jahren hat mich ein Freund gelehrt, wie man meditiert. Das war echt hilfreich, wenn es stressig wurde. Jetzt meditiere ich 20 Minuten am Morgen, 20 Minuten am Abend.

Du hast mal gesagt, dass du denkst, dass ganz normale Menschen Superhelden sein können. Was meinst du damit?

Ich glaube, dass normale Menschen irgendwie Helden sein können. Es gibt auch Profis, die vor ihrer Karriere dachten, es nicht schaffen zu können. Aber es ist deine Wahl. Du musst dein eigener Held sein. Rede dir nicht länger ein, dass du es nicht kannst. Momente der Selbstzweifel hat jeder, aber diese lassen sich überwinden.

DU MUSST DEIN EIGENER HELD SEIN

Was ist deine Superkraft, wenn du ein Superheld bist?

Wahnvorstellungen, auch wenn das erst einmal negativ klingt. In jedem Fall beeinflussen uns die Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Wenn mir meine Stimme sagt, ich kann etwas nicht tun, dann möchte ich ihr beweisen, dass sie damit falsch liegt.

Hast du einen Ratschlag für Frauen, die versuchen, ein Gleichgewicht in ihrem anstrengenden Alltag und vielen Verpflichtungen zu finden. Die haben ja trotzdem den Wunsch, mal ein Workout zu machen und fitter und gesünder zu sein?

Obwohl es scheint, als ob es nur noch ein weiterer Punkt auf der endlosen To do-Liste ist, sollten sie sich zu einem Event anzumelden. Sobald man angemeldet ist, ist man verpflichtet. Entweder hat man Geld gezahlt oder es ist eine Sache des Stolzes. Und du hast anderen davon erzählt. All das hilft dir, fokussiert zu sein. Und egal wie hart und unbequem das Training sein mag: Jeder kleine Schritt, jeder Lauf, jedes Workout ist ein Sieg.

Credits

Text von Üma Kleppinger Photos von Steven Counts

Montag, 1. Juni 2015