Von der Wallstreet auf´s Bike

Sonntag, 18. Mai 2014

Zunächst mag er einem vielleicht Angst einjagen – doch manchmal ist ein Neuanfang das Beste, was einem passieren kann! Ein Paradebeispiel für das zweite Szenario ist unsere Kollegin Erin Sprague. Sie sieht in ihren Traumjob als Women‘s Product Marketing Managerin eine regelrechte Verjüngungskur.

Welche Ausbildung hat dich an die Wall Street gebracht?
Ich wurde in New York City geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in den Bergen im Norden des Staates New York auf. Mein Vater ist Polizeibeamter und meine Mutter Krankenschwester. Ich studierte an der Harvard-Universität Geschichte, als ich beschloss, dass es an der Zeit wäre, Unternehmenserfahrung zu sammeln. Ich hatte das Glück, ein Praktikum und anschließend einen Vollzeit-Job in einer Private-Equity-Firma namens „The Blackstone Group“ zu ergattern. Das kommt sehr selten vor und war ein großer Meilenstein in meiner Karriere. Ich arbeitete dort von 2005 bis 2010.

Was war für dich der Grund, deinen Arbeitsplatz an der Wall Street zu kündigen?
Ich arbeitete an der Wall Street, um etwas zu lernen - und das habe ich! Es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe den großen Boom zwischen 2005 und 2006 miterlebt und auch den anschließenden Crash in den Jahren 2007 und 2008. Letztendlich wusste ich, dass die Finanzwelt nicht gerade meine Leidenschaft war. Wohingegen Sport schon immer der Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben war. Darum gründete ich eine Non-Profit-Gesellschaft, die sich um Jugend Fitness-Initiativen auf der ganzen Welt kümmert. Für diese Arbeit schlug mein Herz. Ich beschloss, auf die Business School der Stanford University in Kalifornien zu gehen, um eine Karriere im Bereich Fitness zu beginnen. Bevor ich aber an die Stanford ging, habe ich mich für die Tour d'Afrique, eines der längsten Rad-Etappenrennen der Welt, das von Kairo nach Kapstadt führt, angemeldet. Diese Tour warf meine ganzen Pläne über den Haufen – ab diesem Zeitpunkt war Radsport alles für mich.

Was war für dich der Auslöser, um mit Sport zu beginnen – und das gleich so intensiv (Ironman, Marathon etc.)?
In der High School und auf dem College habe ich intensiv Leichtathletik in den verschiedenen Laufdisziplinen betrieben. Während meiner Zeit an der Wall Street meldete ich mich dann für meinen ersten Triathlon an, der dann auch gleich ein Ironman war – ich brauchte einfach eine neue Herausforderung. Dabei entdeckte ich meine Liebe zum Radfahren. Für mich geht es nicht darum, wie schnell ich bin. Mir kommt es darauf an, dass ich mich immer wieder neuen Herausforderungen stellen kann. Ausdauersportarten sind perfekt dafür.

Wie funktioniert das: von der Wall-Street-Mitarbeiterin zur Women‘s Product Marketing Managerin bei Specialized, lässt sich das so "easy" übertragen?
No way! Es war sehr schwierig, in eine neue Branche zu wechseln und dann auch gleich auf die technische Seite, die ja in der Fahrradentwicklung enorm wichtig ist. Aber genau das ist es, was ich an meinem Job liebe. Er fordert mich jeden Tag auf neue Weise. Die Firmenkultur von Specialized ist sehr durch Leistungsbereitschaft geprägt. Die Kultur ist hier sogar ein bisschen wie an der Wall Street. Es ist wichtig, ein dickes Fell zu haben, sowohl an der Wall Street als auch im Bike-Business. Das Feedback hier ist sehr direkt, aber nur so können wir unsere Produkte verbessern und mehr Frauen zum Radfahren bewegen. Das liebe ich.

Wann war dein Wechsel von der Wall Street zu Specialized
Im Frühjahr 2010 kehrte ich der Wall Street den Rücken und verbrachte fünf Monate auf dem Fahrrad, irgendwo zwischen Kairo und Kapstadt. Als ich zurückkam, nahm ich noch bei einem Ironman teil und ging dann an die Stanford Business School. In Stanford dachte ich, ich würde meine neue Karriere in einem Fitness-Start-Up beginnen. Ich liebe die Unternehmenskultur in Silicon Valley. Zufälligerweise stellte ein Freund den Kontakt zu Specialized her. Daraus ergab sich ein Treffen, wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil ich meine drei Specialized-Bikes absolut liebe. Geplant war ein kurzes Meeting. Aus diesem Meeting wurden mehreren Termine, ein Praktikum, und jetzt: mein absoluter Traumjob.

Darf ich fragen, wie alt du bist?
Ich bin 30 Jahre alt und werde jeden Tag jünger!